Die Bohnen sind los
Der Titel des turbulenten Kartenspiels ruft unweigerlich Assoziationen an eine beruehmte Westernserie hervor. Aber auch wenn es bei Bohnanza wild zu gehen mag, so haben Spiel und Serie doch weiter nichts gemein als das witzige Wortspiel mit dem Titel. Die Spieler sind keineswegs Cowboys im Wilden Westen, sondern Bauern, die Bohnenfelder bestellen und durch den cleveren Anbau und geschicktes Verhandeln mit den Huelsenfruechten wertvolle Bohnentaler verdienen koennen. Wer am Ende des Spiels die meisten Bohnentaler sein Eigen nennt, hat gewonnen. Aber das ist bei weitem nicht so leicht, wie es den Anschein hat, denn die Mitspieler haben bei jedem Spielzug ein gehoeriges Woertchen mitzureden.
Ich glaub' es hackt!
Bohnen sind vermutlich nicht das erste, was einem als Objekt der Begierde in den Sinn kommt. Aber das Spielkonzept von Uwe Rosenberg ueberzeugt von der ersten Idee bis zur fertigen Ausfuehrung. Die Bohnen zieren in diversen, aeusserst amuesanten Verkleidungen - wie z.B. als draufgaengerischer Cowboy oder als trauriges Haeufchen Elend - die Spielkarten, von denen insgesamt 104 sowie sechs Bohnenfeld-Karten enthalten sind. Es gibt acht verschiedene Sorten, z.B. Feuer-, Garten-, Sau- und Brechbohnen, die unterschiedlich haeufig im Spiel vorkommen und auch unterschiedliche Preise auf dem Markt erzielen. Je mehr Bohnen derselben Sorte ein Spieler auf einem Feld vorweisen kann, desto gewinnbringender kann er sie bei der Bohnenernte verkaufen. Doch nicht nur die eigene Ernte, sondern auch die Bohnenfelder der Mitspieler sollte man mit wachsamen Augen beobachten.
Spielregeln und -verlauf
Drei bis fuenf Spieler ab 12 Jahren muessen versuchen, so viele Bohnen wie moeglich auf einer begrenzten Anzahl von Feldern zu pflanzen. Jeder Bohnenbauer erhaelt zu Beginn fuenf Spielkarten, deren Reihenfolge in der Hand waehrend des Spiels nicht veraendert werden darf. Auch der Ablauf eines Spielzugs ist weitest gehend vorgegeben, so dass es ein grosses Mass an Geschick und Taktik erfordert, um erfolgreich zu sein. Verschiedene Aktionen wie Bohnen anbauen, handeln und ernten bestimmen den Verlauf des Spiels. Dazu werden Karten abgelegt, im Handeln mit den anderen Spielern ausgetauscht oder gar verschenkt sowie neue Karten nachgezogen, wobei erhandelte und aufgedeckte Karten sofort wieder angebaut werden muessen - natuerlich immer mit dem Ziel, dabei moeglichst viele Taler als Gewinn zu erzielen. Das Spiel ist zu Ende, wenn der Ablagestapel zum dritten Mal aufgebraucht worden ist. Gewonnen hat der Bohnenbauer, der am meisten Taler aufweisen kann.
Der Reiz des Spiels liegt neben der taktisch vorausschauenden Planung vor allem im wilden Tauschhandel mit den Mitspielern. Den Marktwert einer Bohne bestimmen die Spieler selbst, d.h. sie entscheiden selbst, wieviele Karten sie fuer eine andere Bohnenkarte bieten oder fordern wollen. So lassen sich manche Bohnensorten nur zu Dumpingpreisen an den Mann oder die Frau bringen, andere dagegen erzielen Hoechstpreise. Hier ist harte Ueberzeugungsarbeit gefragt, um die eigenen Bohnen als das bestmoegliche Angebot zu praesentieren. Dabei kann es durchaus passieren, dass man einem gewieften Verkaeufer auf den Leim geht und am Ende mit Bohnen dasteht, die man gar nicht gebrauchen kann. Je mehr Spieler beteiligt sind, desto lustiger geht es beim Bohnenhandel zu. Da jederzeit Bohnenfelder geerntet und verkauft werden koennen sowie eifrigst Handel betrieben werden darf, herrscht stets aufgeregter Turbel und reges Stimmengewirr. Vor allem gilt es die fruehzeitige Ernte eines Bohnenfeldes zu vermeiden, da dies natuerlich den Gewinn schmaelert bzw. die Bohnen sogar noch ueberhaupt keinen Profit einbringen.
Auch wenn die Regeln auf den ersten Blick aeusserst strikt wirken, so bieten sich im Verlauf des Spiels eine Vielzahl von Moeglichkeiten: Spielt jeder Bohnenbauer im Wettstreit mit den anderen oder sind auch Kooperationen denkbar? Zaehlt nur der eigene Gewinn oder greift man gar einem Mitspieler mit einer Schenkung unter die Arme? Eines steht auf jeden Fall fest: Bei dem gewitztes Kartenspiel steht die Kommunikation mit den anderen Spielern immer im Mittelpunkt. So kommt garantiert keine Langeweile auf, da sich jeder Spieler, auch wenn er nicht an der Reihe ist, am Handeln beteiligen oder ein Feld abernten kann.
Die Familie der Bohnen: Fortsetzungen und Erweiterungen
Bohnanza eignet sich genauso gut fuer gesellige Spieleabende wie fuer ausgelassene Partyrunden, laesst sich aber auch bequem auf Reisen mitnehmen. Auch Kinder haben bereits grossen Spass an dem wilden Bohnenhandeln, was natuerlich auch den witzigen Illustrationen der Spielkarten sowie den ausgefallenen Bohnensorten liegt. Juengere Kinder werden aber wahrscheinlich von den komplexen Zusammenhaengen ueberfordert fuehlen, so dass der Hersteller das Spiel erst ab 12 Jahren empfiehlt. Bohnanza wurde 1997 in die Auswahlliste "Spiel des Jahres 1997" aufgenommen.
Ein Spiel dauert in der Regel ca. 45 Minuten, aber unter Einbeziehung einer oder mehrerer Erweiterungen sowie bei Verwendung aller Bohnensorten kann man mit Bohnanza auch problemlos einen ganzen Spieleabend bestreiten. Anfaenger sollten auf jedem Fall mit dem Grundspiel beginnen, um sich mit der Materie des Bohnengeschaefts vertraut zu machen. Mit Al Cabohne ist auch eine Variante fuer ein bis zwei Spieler erhaeltlich, in der man gegen die Bohnenmafia antritt. Mit dem Erweiterungs-Set kann man Bohnanza auch mit bis zu sieben Personen spielen. Weitere Erweiterungen wie High Bohn: Bohnenduell um 12 Uhr mittags fuehren endlich auch in den Wilden Westen oder lassen wie Bohnaparte die Napoleonischen Kriege auferstehen. Mit der Erweiterung La Isla Bohnita sticht Bohnanza in See, wo Piraten nur darauf lauern, Handelsschiffe mit den wertvollen Bohnen zu kapern. Alle Erweiterungen sind nur mit dem Bohnanza-Grundspiel spielbar und sorgen fuer staendig neuen Spielspass und Abwechslung.